PROTOKOLL VON TOBIAS, DORO und MALTE:

01.04.07:
die drehtage beginnen...es ist frueh am morgen treffpunkt ist das hotel saint paul .von christophs hotel starten die busse zum hafen kameraequipment, requisiten, kostueme und ganz wichtig mueckenschutz wird eingeladen ...
heute ist ein dreh mit indiostaemmen geplant und alle hoffen das es nicht im entscheidenem moment anfaengt zu regnen...
leo weist mich kurz in meine heutigen aufgaben ein ...ich assistiere bei der 16mm kamera und muss das filmmaterial, belichtungsmesser, filter und vieles mehr immer parat haben ...der job macht trotz anstrengender schlepperei spass weil ich jedes detail von christophs dreh verfolgen kann...
nach einstuendiger bootsfahrt muss an land alles schnell gehen jeder traegt was er kann ...
die indiostaemme sitzen schon in huetten bereit und begruessen uns mit tanz und musik ... dann gehts los...das equipment nicht aus den augen lassen, film wechseln ,beschriften,reflektoren halten und ruhe bewahren ...christoph schon schweissgebadet und schreit rum was er braucht und was klaus und karin machen sollen..
gewitterwolken ziehen auf ..jetz bleibt nicht mehr viel zeit alle sachen ins trockene zu bringen das boot steht schon bereit und ein letzter dreh am strand.. das ritual mit waeschestaender ...
als wir alle voellig erschoepft im boot mit leichtem sonnenstich waren meint christoph das waere nur ein kleiner dreh und die voruebung fuer die naechsten tage..

02.04.07
es ist vier uhr in der frueh heute geht es auf den fischmarkt und der erste dreh muss vor sonnenaufgang ueber die buehne gehen...
wieder mit bussen und all den noetigen requisiten angekommen versuchten wir uns in dem gewusel von fischern einen geeigneten drehort zu suchen...es dauerte nicht lang da war der halbe fischmarkt auf uns aufmerksam geworden als dann noch leuchtfackeln als lichtquelle benutzt wurden wusste der ganze hafen bescheidt...
karin, klaus und zwei weitere aeltere darsteller tanzten um einen haufen fisch und fuer mich war es sehr schwierig durch die menge an schaulustigen durchzukommen um fackeln neue filme oder anderes material anzureichen ..
beim filmwechseln auf einem fischerboot machte es einen platsch und leo und ich standen bis zu den knien in kaltem frischen fischen trotz solcher umstaende durfte man sich nicht ablenken lassen weil die zeit bis die sonne aufgeht gering war..
kurze fruehstueckspause bis christoph den naechsten drehort ausfindig machte...direkt am fluss ziehmlich runtergekommene huetten die bewohnt waren boten das naechste spielfeld fuer die zwei alten und klaus und karin ...
l etoile de mer wurde mit den zwei alten nachgespielt alles voll mit muecken ...<<<<WIR BRAUCHEN EINEN ND 6 FILTER!!!!>>>...christoph schickte die zwei alten die treppen rauf und runter und danach wurde auf eiem altem schiff weitergedreht ...
trotz grossem hunger musste man konzentriert bleiben stueck fuer stueck wurde das drehbuch von man ray nachempfunden und alles noetige musste bereit gehalten werden christoph zerschlug kurzer hand ein glasgefaess um sich einen filter zubasteln..
<...die szene haben wir und die...>
immer wenn man denkt jetzt neigt es sich dem ende zu faengt es bei christoph erst richtig an...
an diesem abend fiel ich um halb 10 wie halb tot ins bett fuehlte mich aber gut dabei ...
  
03.04.07
.. das war der aufwaendigste drehtag von allen ...
ein riesen schiff stand wieder bereit ...diesmal mit allen darstellern,dem chor ,dem orchester, dem ganzem team...ueber 150 mann waren fuer den heutigen dreh bestellt darunter auch sambateanzerinnen und ein
kinderchor..
der tag war komplett durchgeplant und das erste problem war die ausfahrtsgenehmigung vom hafenmeister zu bekommen was uns schon zwei stunden unserer zeit wegnahm...
nach zweistuendiger flussfahrt auf dem rio negro war das ziel ein altes kloster ...auf der fahrt dorthin konnte ich mich nett mit steven unterhalten der den daland spielt ..ich war wieder fuer das anreichen von kameramaterial zustaendig diesmal war auch noch ein dreh mit einer 35mm kamera geplant dafuer kam sogar eine spezialistin aus sao paulo eingeflogen..
am strand angekommen mussten wir knapp einen kilometer bis zum kloster laufen und mit dem equipment war das doppelt so anstrengend ...habe seit den drehtagen schon abgenommen ...
der erste dreh war mit sambataenzerinnen in einem raum des klosters der schon komplett mit pflanzen und baumwurzeln zugewuchert war das war sah wiklich super aus wie die zwei damen in der szenerie glitzerten...
ich hielt zwischen dem film wechseln noch einen reflecktor und freute mich ueber meinen job!!
im naechsten raum wurde parallel das orchester samt instrumenten aufgebaut und im weiterem raum war schon der chor verkleidet und auch der kinderchor als messdiener...
der gefahrlichste dreh aber auch der beste war mit dem orchester ..christoph mit der 35mm kamera auf dem arm schrie rum das kein anderer im bild seien darf und das jetz alles klappen muss eigentlich haetten wir schon laengst wieder auf dem schiff seien muessen da wir den zeitplan nicht exackt eingehalten haben...
ich wetzte mit einem transistor hinter christoph her um seine kamera mit strom zu versorgen dabei rutschte ich mehrmals aus und flog auf den matschboden gleichzeitig musste ich christoph die sekunden ansagen damit er immer nach zwanzig sekunden die perspektive wechseln konnte dabei noch leo fackeln anreichen und alles im blick haben ...kam mir kurz vor als sei ich mit christoph im krieg wegen all dem rauch und dem rumgebruelle >>>>>WHAT IS THE SPEED????<<<
war aber ein toller dreh..
danach hiess schnell ins boot zum naechsten dreh...
weil es anfing zu regnen und die sonne drohte unterzugehen rannten alle nur mit den sachen die fuer den naechsten dreh wichtig waren zum schiff runter .unten an bord war dann kurz das 35mm material nicht aufgetaucht und ich rannte im sprint wieder zum kloster zurueck..kurz vor herzstillstand kam dann zum glueck die nachricht per handy alles sei an bord ...
auf der rueckfahrt freute ich mich schon auf die opernproben die verhaeltnismaessig ruhiger ablaufen...
 

PROTOKOLL von Christine dorothea Von stillfried
der vernichtungsschlag mit dem die welt zusammenkracht

“probieren geht ueber studieren” heisst das lehrkonzept von professor
christoph schlingensief und es funktioniert hier in manaus am rio negro
besonders gut. hier lerne ich mehr als in jeder vorlesung und und bekomme mehr inspiration fuer meine eigene arbeit als bei jedem plenum
an der hochschule fuer brotlose kunst.
seit wochen arbeiten malte struck, tobias dostal und ich hier in manaus in allen bereichen an der inszenierung des fliegenden hollaenders mit.
gerade haben wir drei intensive drehtage hinter uns, die einen heftigen energieschub
im ganzen team verursacht haben.
von dem letzten will ich berichten.
wir haben uns um neun alle am hafen getroffen und das ganze equipment auf ein grosses schiff geladen. an bord waren christoph, sein ganzes team, klaus beyer, karin witt, der chor, das orchester und das brasilianische team und zwei reizende sambataenzerinnen und sechs frisch gecastete brasilianische senioren als darsteller, eine 35mm kamera, die bolex. wir tuckerten zwei stunden den rio negro hoch bis wir in paricatuba ankamen.
hier steht ein uraltes verfallenes kloster, das die dschungelpflanzen schon fast verschlungen haben. riesige wurzeln druecken sich durch die alten grundmauern und bieten den perfekten drehort.
in der bullenhitze angekommen triefte uns nur so der schweiss aus allen poren.
die sambataenzerinnen waren schon in glitzertanga und federtop von oben bis unten mit glittercreme eingerieben fuer den ersten dreh bereit und es konnte sofort losgehen. Das team hat wunderbar zusammengearbeitet und es war von anfang an eine faszinierende stimmung. die bolex in christophs hand ratterte und die taenzerinnen verzauberten den ort mit einer phantastischen ausstrahlung. karin kam dazu und tanzte mit den beiden frauen samba zwischen den lianen und den grossen baeumen.traumhaft.
der chor kam in moenchskostuemen rein gerannt und fing an zu singen. Die bolex ratterte.das gruen der pflanzen und die farbenfrohen kostueme der moenche ergaben mit den alten mauern eine sehr spezielle stimmung. wir arbeiteten nur mit reflektionen des sonnenlichtes. senta kam dazu in einem raupenartigen, wunderschoenen kostuem von aino und begann zu singen. ein bild fuer die goetter.
das orchester hatte sich inzwischen in einem der anderen klosterraeume aufgebaut. christoph packte die 35mm kamera aus und gab uns noch schnell ein paar wichtige regieanweisungen bevor das orchester in weissen kostuemen anfing zu spielen.
tobi ,malte, leo, micha und ich rannten wie wild hinter christoph her. micha und ich zeichneten den ton auf, malte machte licht mit fackeln, tobi sagte die sekunden von der kamera an und leo schleppte den akku hinterher.wie eine horde wildgewordener aligatoren bewegten wir uns hektisch hinter christoph her, der permanent mit regieanweisungen um sich schlug und riesige pupillen hatte. der adrenalinkick hat uns dann irgendwann alle erwischt und wir befanden uns in einem absoluten ausnahmezustand.flackerndes licht, qualm, wagners musik, geschrei….. eine fackel explodierte mit einem lauten knall. der vernichtungsschlag, mit dem die welt zuammenkracht. das ist er wohl gewesen. revolution!
mit dieser energie machen wir hier gerade weiter und sind wie gehabt jeden tag im teatro amazonas bei den proben mit dabei.den prozess einer solchen arbeit von christoph miterleben zu duerfen ist ein grosses geschenk.
 

PROTOKOLL MALTE:
montag, 2.4.07
trotz des gestriegen, anstrengenden drehtages wurde heute keine pause
gemacht sondern das pensum sogar noch erhoeht. der heutige tag startete
schon um 4.30 in der frueh. da christoph noch im dunkeln auf dem fischmarkt von
manaus drehen wollte, fuhren wir alle vor sonnenaufgang zum
fischmarkt und bauten dort so schnell als moeglich alles auf. waerend an
dem ausgewaehlten drehort noch die vorbereitungen liefen, filmte christoph
schon einige, ankommende Schiffe.
irgendwann kamen dann klaus und karin, sowie ein sehr altes paerchen, an
einen der fischstaende auf einem der boote und wurden dort mit
fackeln und lampen beleuchtet, waehrend sie in ihren kostuemen durch den
fisch und seine kaeufer und haendler liefen. um diese geschehnisse sammelte sich binnen kuerzster zeit ein grosse gruppe interessierter
haendler und besucher des fischmarktes. in diesem gewusel wurde es sehr
schwierig immer auf all das equipment aufzupassen.
als nun die sonne aufgegangen war, ging es weiter zu einer
huettengruppe, welche auf stelzen am rande des marktes stand. man musste
auf einem alten bruechigen steg ueber einen sehr dreckigen bach, um ueberhaubt
zu den huetten zu gelangen. dort, in und vor den baracken, drehte christoph
einige szenen mit dem alten paerchen sowie mit klaus und karin.
dann ging es weiter auf ein boot, welches uns den hafen entlang zu einem
sehr alten schiff brachte. dort durften wir, dank der erlaubniss
der dort lebenden familie, auch einige szenen drehen. zwischendurch wurde es
zeit fuer christophs spritze,
welche er auch von einer krankenschwester in den po gesetzt bekahm.
nun wurden alle bilder, inclusive cocons, klaus, karin und dem alten
paerchen abgedreht und es ging nach einem sehr langen vormittag wieder
zurueck ins hostel. nachdem man sich duschen und ein wenig ausruhen
konnte, trafen sich alle abends wieder im theatro, zu den proben fuer die
oper!

dienstag, 3.4.07
an den heutigen tag werde ich mich noch lange erinnern! heute war der
groesste dreh von allen. treffpunkt war neun uhr, wieder am hafen.
nur das diesmal nicht nur die crew und darsteller der letzten drehs mit
kommen sollten, sonder zusaetzlich der komplette maennerchor sowie die
darstellerin der senta und der darsteller des dalan aus der oper. da
christoph diesmal nicht nur mit 16mm, sondern auch mit 35mm drehen
wollte hatte wir auch demensprechend nicht nur mehr menschen, sonder auch
mehr equipment dabei, welches von uns auf das schiff gebracht werden
musste. als dann alles sicher auf deck verstaut war, machten wir uns,
nachdem wir endlich die erlaubniss der hafenwacht zum auslaufen bekommen hatten, mit dieser riesengruppe auf den 2 stunden weg zum ausgewaehlten drehort.
an diesem angekommen musste erstmal das teure equipment, sowie die ganzen
leute einen sehr wackeligen alten steg herunter befoerdert werden.
nun musste alles nur noch einen berg hochgebracht werden und dann sollten
wir endlich da sein. dort angekommen bot sich uns ein fantastischer
anblick!
an dem ort stand ein sehr altes kloster, welches zwischenzeitlich
auch als gefaengniss gedient hatte und nun zur haelfte voellig von pflanzen
und baeumen bewuchert war. der jungel holte es sich stueck fuer stueck
zurueck. waehrend nun all das equipment ausgeladen, an einer sicheren
stelle untergebracht wurde und sich der chor ans anziehen seiner kostueme
machte, drehte christoph schon erste szenen mit 2 ebenfalls angereissten
sambataenzerinnen, sowie klaus und karin in dieser fantastischen
kulisse. nach diesen bildern ging es mit dem chor weiter.
dann kam nun auch noch das ganze orchester
zum drehort und stand in voller montur und ihren instrumenten vor
uns. sie wurden in einen weiteren raum gebracht und machten sich dort zum
spielen bereit. was jetzt kam, war einfach unglaublich. das orchster spielte,
dirigiert von majestro malheiro, teile des fliegenden hollaenders und
wurde mitten im ehemaliegm essraum des klosters gedreht.
nun kam auch endlich die 35mm kamera zum einsatz und da ich fuer die filme zustaendig war, stand ich mit allen filmen in einer tasche, voellig gebannt neben dem
eingang zum raum und beobachtete die szenerie. irgendwann sollten mehr
leute rein mit fackeln, ich uebergab meine tasche an julian, schnappte mir eine
fackel und rannte in den raum. dieser war nun voller rauch und flackerndem
licht in dem man schemenhafft mal christoph, das orchester oder auch andere
menschen mit fackeln sah, das orchester spielte, zwischendurch knallten
boeller, es entstand ein sehr unwirklicher zustand. dann
stolperte ich in dem nebel und der hektig und landete mit meiner linken hand in
meiner fackel. ich tastete nach meiner brille und merkte erst nach dem ich
wieder stand, das ich mir ein loch in die linke hand gebrannt hatte. um
mich herum immer noch musik rauch und fackeln doch ich musste nun leider raus
und meine hand auswaschen und kuehlen. draussen fing mich dann ricardo ab
und brachte mich zu der dort ansessigen krankenschwesetr die, ohne das
ich mit ihr kommunizieren konnte, meine wunde sehr gut versorgte. als ich
dann mit verband ihre huette verliess, sah ich nur noch wie im regen die
letzten menschen den ort verliessen. ich gelangte zum glueck noch mit den
anderen nachzueglern rechtzeitig zum schiff und konnte so aus der ferne
sehen wie christoph auf einem kleinen boot immer um ein grosses, altes
geisterschief herum fuhr und das auf diesem spielenden orchester filmte.
spaeter traffen wir dann die restcrew draussen auf dem wasser und alle kamen wieder auf unser schiff, mit welchem wir spaeter noch mal das geisterschiff
trafen und anleuchteten und so noch mal einige tolle bilder zu sehen
bekamen.
nun habe ich eine brandnarbe an der linken hand, welche mich immer an
diesen tag und sein fantastischen bilder errinern wird.